Zugegeben, es ist nichts imponierender als einen satten Abschlag mit dem Driver zu machen, wo der Ball schnurgerade und weit fliegt und elegant auf dem Fairway ausrollt.

Für die meisten Golfspieler – vorwiegend die mit mittlerem und hohem Handicap – ist dieser Ballflug leider eher Wunschdenken oder Zufall, zumindest wenn man es mit dem Driver versucht.

Woran liegt es, dass der Driver so schwer zu spielen ist?

Der Driver ist der längste Schläger im Spiel und damit ist es physikalisch gesehen, am schwierigsten die Schlagfläche gerade durch den Ball zu schlagen. Was mit dem Wedge noch gerade gut geht (Abweichungen fallen bei kurzen Distanzen nicht so ins Gewicht), wird mit dem Driver zu einem fatalen Fehler, bzw. landet der Ball im Aus oder weit weg vom Fairway.

Wenn der Ball zum Beispiel mit offener Schlagfläche getroffen wird, fliegt er nicht gerade, sondern nach rechts.

Offene Schlagfläche beim Golfen

Gestrichelt: Gewünschte Ballflug. Durchgezogen: Tatsächlicher Flug. Schläger ist offen im Treffmoment

Wird dieser Schlag nun noch mit einem längeren Eisen (4 oder 5) ausgeführt, fliegt er länger, aber eben auch noch weiter nach rechts:

Längerer Ballflug durch längeres Eisen.

Längerer Ballflug durch längeres Eisen.

Die letzte Verschlimmbesserung: Man macht das ganze mit dem Driver!

Da man beim Driver meistens noch kräftiger zuschlagen möchte, wird der Ball gerne noch mit einer Schlägerkopf-Bahn von außen nach innen getroffen. Damit wird der Ball „geschnippelt“ und bekommt einen Seitwärts-Spin, der den berüchtigten Slice erzeugt:

Falsche Schwungbahn führt zum Slice

Falsche Schwungbahn führt meistens zum Slice

Und was macht man nun als Golfer?
Wie kriege ich es trotzdem hin, den Ball mit dem Driver schön gerade zu schlagen?

Kurz und knapp: Erstmal gar nicht.

Es gibt kein Geheimrezept. Erinnern Sie sich noch an den ersten Golf-Unterricht? Hat der Trainer Sie gleich auf die Driving-Range geschickt und einen Driver in die Hand gelegt? Sicher nicht.

Solange der (Grund-)Schwung nicht in Ordnung und zuverlässig funktioniert, ist das Ergebnis mit dem Driver Glücksache. Natürlich ist es toll, wenn der Ball auf der Driving-Range weit fliegt. Doch landet er wirklich dort, wie vorher gedacht? Sind dort Wasserhindernisse und Bunker, die einen mental belasten könnten? Nein.

Also fangen Sie klein an. Viele gute Golfspieler, die ich kennen gelernt habe, spielten die ersten 2-3 Jahre den Driver gar nicht. Manche sogar nie. Selbst ohne den Driver kann man sein Handicap auf 30 oder besser herunterspielen.

Nicht umsonst trainieren auch die Pros zu 30 bis 45% Ihrer Zeit die Schläge mit dem Wedge. Erstmal sind präzise Annäherungsschläge viel wichtiger als 10 oder 20 Meter weiter schlagen zu können. Und zweitens übt man so den Grundschwung und trainiert das Ballgefühl.

Alles gut und schön, aber ich möchte trotzdem den Driver benutzen!

Dann buchen Sie eine Trainerstunde und lassen sich beraten, wie Sie Ihre Schwungbahn oder sonstiges Verhalten verbessern können. Jeder Golfer hat besondere Eigenarten, die es unmöglich machen pauschale Ratschläge zu erteilen.

Besprechen Sie mit Ihrem Pro nicht nur Ihre Schwächen, sondern klären Sie ihn auch über Ihre Ziele auf. Lassen Sie sich unbedingt einen Trainingsplan erstellen, der dazu passt. Sonst haben Sie eine Woche nach der Trainerstunde wieder alles vergessen und fangen bei Null an.

Was mir geholfen hat

Ich habe keine Ahnung warum, aber ich kam mit dem Driver schon nach 2 Monaten gut zurecht. Aber am Anfang sah das ganz anders aus: Im meinem Übungs-Leihbag war auch ein Driver (oder Holz, ich weiß es nicht mehr) und mit dem gelang mir gar nichts. Also beherzigte ich den Rat meines Trainers Sebastian und benutzte ihn nicht.

Stattdessen trainierte ich viel mit den Wedges. Lange Schläge, kurze Schläge, ununterbrochen. Dann das Putten und ein paar Schläge mit den längeren Eisen. Damit war die Platzreife überhaupt kein Problem.

Erst als ich mit den Wedges mich richtig sicher fühlte, nahm ich eine Trainerstunde und ließ mir dabei gleich einen Driver und ein Holz anpassen. Es waren Modelle aus der letzten Saison und mit insgesamt knapp 400,- Euro war ich dabei. Der Vorteil: Die Schläger passten einigermaßen zu meinem Schlag und meiner körperlichen Statur. Es war kein richtiges Fitting, da der Schlägerschaft und die Länge nicht richtig vermessen worden sind. Aber immerhin.

Nun trainierte ich auch den Driver auf der Range und nach ein paar Einheiten, benutzte ich ihn auch dem Platz.

Meine Erkenntnisse und Tipps zum Driver

  • Stellen Sie sich etwas mehr als schulterbreit hin, so dass Sie einen guten Stand haben und nicht umfallen können.
  • Der Ball sollte am linken Fuss stehen (nicht in der Mitte wie normalerweise).
  • Denken Sie nicht zuviel – am besten gar nicht.
  • Stellen Sie sich visuell den Ballflug vorher vor (gehen Sie am besten hinter den Ball und visieren Sie das Ziel an).
  • Sehen Sie nur die Richtung und nicht die Weite (höhere Weitere setzt Sie mental unter Druck und führt zu einem verkrampften und zu starken Schlag. Sie ziehen Ihre Arme unbewusst dabei an und treffen den Ball dann nicht richtig).

In der Ausführung des Schlages helfen mir zwei Dinge besonders (bzw. das einzige woran ich denke):

  • Halte den linken Arm so lange wie möglich gestreckt. Verzichte lieber auf die komplette Ausholbewegung).
  • Drehe die Schultern um die Hüfte soweit wie möglich zurück und beginne mit der Hüfte die Abschwungbewegung, dann die Schultern, dann die Arme und zum Schluss die Hände.

Also gerader Arm und Schultern drehen!

Gute Tipps gibt es immer bei Oliver Heuler (auch wenn ich nicht in allem mit ihm übereinstimme):

https://www.youtube.com/channel/UClsOfSeB05vP4CX3-pyqJpQ

Und bei meinem Favoriten Paul Wilson:

http://howtohitdriver.com/

Und noch was: Ich bin erst seit 1,5 Jahren im Golfsport und kein Golftrainer! Dies sind nur meine persönlichen Erfahrungen und keine Tipps, die bei jedem funktionieren 😉