Wie jede Ballsportart benötigt auch der Golfer einen Ball. Jeder kennt den Tennisball, den Volley-, Basket- oder auch den Fußball aus dem Schulsport oder vom Bolz-Platz um die Ecke. Doch mit einem Golfball kommt man als Anfänger meistens erst mit Ausüben des Sports in Berührung.

Nun bin ich mir nicht sicher wie groß die Unterschiede zwischen einzelnen Tennisbällen oder Volleybällen sein können, im Golfsport ist das jedoch alles andere als trivial. So habe ich zum Beispiel noch nie davon gehört, dass es Tennisbälle gibt, die aus einem See gefischt und wieder verwendet werden. Richtig gelesen, beim Golfsport gibt es das. Dazu gab es auch unschöne Berichte, wenn Bälle  unter Wasser verrotten – Umweltschäden in der Unterwasserwelt.

Auch ist mir nicht bekannt, dass es Basketbälle speziell für kurze und speziell für längere Würfe gibt.

Das ist beim Golf anders.

Doch wo fange ich am besten an?

Ein Golfball ist ein kleiner weißer (oder auch gelber, roter oder orangener) Ball mit verschiedenen inneren Lagen und einem Mantel bzw. Schale drumherum. Minimal gibt es 2 Lagen, maximal meines Wissens 5. Jede Lage soll dem Ball eine besondere Eigenschaft geben – bzw. die Summe und Beschaffenheit aller Lagen gibt eine Gesamteigenschaft.

Wenn ich also mit meinen Schläger den Ball treffe, dann reagiert er darauf mit entsprechenden Reaktionen:

  • Im Kontaktmoment und im Treffpunkt wird der Ball extrem eingedrückt und schnellt von der Schlagfläche weg (nimmt also wieder die eigentliche runde Form an).
  • Er fliegt in die Luft – sofern ich mal richtig treffe 😉
  • Er dreht sich dabei – normalerweise in die entgegengesetzte Richtung zum Ziel. Also mit Backspin.
  • Wenn ich den Ball nicht nur vorwärts-gerichtet treffe, sondern auch seitlich, bekommt er einen zusätzlichen Side-Spin, der dafür sorgen kann, dass die Flugbahn leider nicht mehr gerade ist (ich vergleiche das gerne mit einem angeschnittenen Tischtennisball).
  • Der Ball landet und rollt weiter; je nach Flugbahn, Gelände und Backspin-Rate mal weniger und mal mehr.

Auch jemand, der wenig Ahnung von Physik und Materialkunde hat, kann sich vorstellen, dass Bälle mit unterschiedlichem Aufbau und aus unterschiedlichem Material sich voneinander unterscheiden werden in:

  • Flugweite,
  • Spin-Verhalten und
  • Gefühl im Moment des Kontakts mit dem Schläger.

Genau darin liegt also der Grund, warum man sich bei der Wahl eines Balles doch mehr Mühe geben sollte als man als Anfänger gedacht hat. Denn je nach der individuellen Schlagart kann ein Ball mein Spiel positiv unterstützen oder auch nicht.

In diesem Bericht möchte ich aber nicht zu einer bestimmten Ballsorte raten oder eine Marke empfehlen. Hier geht es ganz um die persönliche Entscheidung, doch diese muss man erst mal treffen. Was nicht so ganz einfach ist in der Praxis.

Welchen Golfball soll ich nun nehmen?

Wer die einschlägigen Golf-Online-Shops besucht, findet sofort eine Rubrik für Golfbälle. Dort geht es weiter mit Unterteilungen in mindestens 8 verschiedene Firmen. Diese haben dann ca. nochmal genauso viele Ballsorten im Angebot. Um also gewissenhaft zu testen, würde man 64 Ballsorten bestellen müssen. Das wären dann bei einem durchschnittlichen Preis von 3,- Euro schon mal knapp 200,- Euro!? Nein, 2400,- Euro, da man die Bälle normalerweise nur im 12er-Pack kaufen kann.

Ha ha, träum weiter Golfinspektor.

Also ist dieser Weg für den Normalsterblichen nicht wirklich gangbar. Doch wie geht man dann vor?

Methode 1 – wir geben uns Mühe

Ich lese die Beschreibung zu den Bällen und suche nach „Empfehlung für“ und „meine Spielart“. Also zum Beispiel: Dieser Ball ist geeignet für Spieler, die keine hohe Schlägerkopfgeschwindigkeit erreichen und trotzdem weit schlagen möchten. Oder: .. für Spieler, die gerne viel Backspin haben, damit der Ball möglichst schnell auf dem Grün stoppt.

Manche Hersteller haben auch Ballfittings, die man online ausfüllt und am Ende kommt eine Ballsorte heraus.

Anhand von diesen Empfehlung kann man ja 2-3 Ballsorten in kleinen Mengen bestellen und vergleichen. Das geht am besten auf dem Pitch- und Chip-Übungsgelände für das kurze Spiel. Natürlich noch auf dem Puttinggrün das Putt-Gefühl überprüfen. Ob man mit einem Ball wirklich weiter schlägt als mit dem anderen, kann man natürlich als Laie ohne entsprechende Technik niemals feststellen.

Doch viel wichtiger ist sowieso die Kontrolle des Balles vor und auf dem Grün. Die paar Meter mehr in der Länge machen das Spiel in der Summe nicht besser.

Methode 2 – es soll schnell gehen

Keine Lust viel Zeit in Lesen und Ausprobieren zu stecken? Kein Problem, auch dafür gibt es eine Lösung. Die Regel ist schnell aufgestellt: Immer die gleiche Ballsorte spielen. Welche ist dabei ganz egal, denn man wird sich an die Eigenschaften gewöhnen und das Spiel daran anpassen.

Diese Methode kann ich besonders Anfängern empfehlen, die in der Regel gerne ein ganzes Sammelsurium an Bällen im Hauptfach des Bags anhäufen – „schau mal wie viele ich schon gefunden habe!“

Ein Vorteil hatte das Sammeln jedenfalls: Man stößt dann unverhofft mal auf einen Ball, der sich irgendwie beim Schlagen besser anfühlt als die anderen. Dann unbedingt diese Sorte bestellen und dabei bleiben!

Methode 3 – doch zum Profi

1-2 reicht nicht? Dann ab zum Ball-Fitting. Die großen Hersteller wie Titleist und Callaway etc. machen häufig neben Schläger-Demo-Tagen auch Ball-Fittings. Dort wird dann der individuelle Schwung genau vermessen und der richtige Ball gefunden. Also aufpassen, wenn der / ein Club in der Nähe solche Events anpreist.

Der Nachteil? Man kann natürlich nicht einen Vergleich zu anderen Marken vornehmen, sondern kann nur deren Ballsorten testen.

Und der Golfinspektor?

Die Frage ist leicht beantwortet:
Ich spiele immer noch den ersten Ball, den ich im Platzreifekurs bekommen hab – einen Wilson Stuff. Der Inspektor verliert doch keinen Ball!

Nein im Ernst: Mit Methode 2 und ein wenig Sparsamkeit bin ich bei der Marke Vice-Golf und dem Modell „Tour“ hängen geblieben. Mir gefällt das Rabatt-System bei Bestellung höherer Ballmengen und den speziellen Angeboten für das Bedrucken (manchmal sogar komplett kostenlos). So komme ich an einen Ball mit tollen Eigenschaften rund ums Grün inklusive meinem Logo für ca. 1,70 Euro. Da käme ich bei den großen Herstellern nicht weit..

Hier geht es direkt zum Online-Fitting bei Vicegolf.

Der Golfball und die Umwelt

Oben habe ich es schon erwähnt – Golfbälle im Wasser sind nicht gut für die Umwelt und verursachen Gewässerschäden, gerade im Salzwasser. Auch die Produktion von Bällen und dessen schneller Verschleiß (bzw. Verlust durch Versenken im Wald, Teich, Gebüsch, Kopf des Mitspielers etc.) ist nicht gerade nachhaltig.

Wer also auf gebrauchte Golfbälle ausweichen möchte, kann das natürlich tun! Wichtig ist nur, dass die Qualität stimmt. Besonders Bälle, die mal einige Monate im Wasser gelegen haben, werden andere Eigenschaften aufweisen als welche, die im Gebüsch waren. Hier also unbedingt eine gute Qualitätsstufe wählen und nicht geizig sein 😉

Out of Bounds aus Schweden hat sich darauf spezialisiert und holt mit ihrem Taucherteam regelmäßig Bälle aus den Seen. Leider sind die Bestände oft leer gefegt – also lieber schnell sein 😉

Und, welche Bälle spielt Ihr so?