Das erste Golfturnier ist eine aufregende Sache! Ich erinnere mich gerne daran – zuerst vergaß ich meinen Trolley zu Hause und verlor unterwegs auf einer Bahn noch die Scorekarte meines Mitspielers. Ich neige nicht zur Nervosität, aber dies brachte mich auch etwas in Unruhe 😉

Doch wie kann man sich am besten vorbereiten und wie verhält man sich als Anfänger in einem Golfturnier?

Für mich sind folgende Punkte eine wichtige Voraussetzung, um akzeptabel ein Turnier spielen zu können:

  1. Gute Vorbereitung
  2. Einspielen und Aufwärmen
  3. Stress am ersten Abschlag vermeiden
  4. Spieltechnik und Kurs-Management
  5. Umgang mit Flightpartnern
  6. Essen und Trinken
  7. Schlechte Schläge akzeptieren
  8. Scorekarte des Mitspielers
  9. Anfängerstatus nutzen und Spaß haben

1. Gute Vorbereitung

Im Idealfall packen Sie Ihre Golftasche am Vortag und achten Sie darauf nichts zu vergessen. Die wichtigsten Dinge sind:

  • Schläger (im Idealfall gereinigt)
  • Handschuh
  • Bälle (ausreichend mitnehmen und mit Namen oder Zeichen beschriften)
  • Tees
  • Pitchgabel
  • Ballmarker
  • Stift zum Ausfüllen der Scorekarte
  • Reinigungstuch
  • Handtuch bei Sonne
  • Schirm bei Regen
  • Regenkleidung zur Sicherheit
  • Essen und Trinken

Zur Vorbereitung gehört meines Erachtens auch, dass man pünktlich erscheint und im Vorfeld rechtzeitig losfährt. So erspart man sich unnötigen Stress. Informieren Sie auch Ihre Familie über das Turnier und machen klar, dass Sie in dieser Zeit nicht erreichbar sind.

2. Einspielen und Aufwärmen

Vor jedem Golfspiel sollte man unbedingt ein grobes Aufwärmen durchführen; so vermeiden Sie Verletzungen. Damit Sie nicht völlig kalt an den Start gehen, sind Übungsschläge Pflicht. Gehen Sie auf die Driving Range und schlagen 2-3 Bälle mit jedem Schläger. Anschließend machen Sie in der Pitching Area ca. 20 Annäherungsschläge. Zum Schluss noch etwa 20 Putts aus langen und kurzen Entfernungen.

Das Wichtigste beim Einspielen: Bewerten Sie Ihre Schläge nicht. Bekommen Sie nur langsam ein Gefühl für Ihre Tagesform und den Ball. Auf keinen Fall sollten Sie denken, dass Ihr Spiel gut oder schlecht werden wird, weil Sie gut oder schlecht auf der Driving Range gespielt haben. Das sind zwei Paar Schuhe. Wie oft höre ich Mitspieler, die auf dem Platz sagen: „So was blödes – auf der Driving Range ging doch alles perfekt!“

Verausgaben Sie sich nicht. Sie benötigen noch viel Energie für das Turnier.

3. Stress vermeiden am ersten Abschlag

Sie werden aufgeregt sein – das geht auch Profis und alten Hasen so. Wenn Sie das akzeptieren und tief durchatmen, haben Sie schon viel gewonnen.

Nun zum ersten Schlag: Natürlich möchte man allen zeigen, wie gut und weit man schlagen kann! Doch der Abgleich mit der Realität ist meistens anders. 8 von 10 Drives fliegen bei Ihnen normalerweise gerade und weit? Dann, bitte schön, legen Sie los. Sind die Chancen aber eher 50:50? Dann nehmen Sie lieber einen Schläger, bei dem die Trefferquote mindestens bei 80 Prozent liegt.

Sie kennen Ihre Quote nicht? Dies gehört auch zu einer Spielvorbereitung (im Allgemeinen); überprüfen Sie auf der Driving Range mit jeweils 10 Schlägen, wie gut alle 10 geworden sind. So finden Sie Ihren Lieblingsschläger und stellen außerdem fest, mit welchem Sie mehr üben müssen. Notieren Sie dabei gleich noch die ungefähre Schlagweite von jedem Schläger.

Zusätzlich hilft es, eine Schlagroutine zu manifestieren. Dies macht man zwar selten als Golf-Anfänger, doch meiner Meinung nach, kann man nicht früh genug damit beginnen. Teilen Sie Ihren Schlag in zwei Phasen auf. In der ersten Phase machen Sie Ihre Probeschwünge (höchstens 3), dann gehen Sie hinter den Ball und suchen sich eine Stelle, wo der Ball hinfliegen soll und stellen Sie sich den Schlag visuell vor. Wenn Sie vollständig überzeugt sind, beginnt die zweite Phase. Gehen Sie direkt zum Ball und machen Ihren Schlag bzw. Schwung. In diesen Phasen sind Sie so konzentriert, dass Sie vermutlich keine Aufregung mehr spüren.

Noch ein wichtiger Punkt: Manchmal startet das Turnier nicht am Abschlag 1. Achten Sie bei der Ausschreibung darauf, ob es sich um einen Kanonenstart handelt. Wenn dies der Fall ist, müssen Sie Ihr Turnier an der Bahn beginnen, die für Sie auf der Scorekarte notiert worden ist. Im schlimmsten Fall müssen Sie für den Weg dahin noch bis zu 15 Minuten Spaziergang einplanen.

4. Spieltechnik und Kurs-Management

Auf dem Golfplatz sollten Sie auf keinen Fall anfangen, an Ihrer Schwungtechnik zu feilen. Selbst, wenn etwas nicht so gut läuft, besinnen Sie sich auf Ihre Basics und versuchen am besten locker zu schwingen. Je mehr Sie wollen, desto eher wird es nichts, weil Sie verkrampfen.

Normalerweise sollten Sie Ihren Golfplatz schon kennen und Ihre eigene Strategie für jedes Loch entwickelt haben. Wenn Sie aber Anfänger sind, wird Ihnen diese Erfahrung vermutlich noch fehlen. Doch das ist nicht weiter schlimm; dafür haben Sie ja noch ein Handicap, welches Ihnen ca. 3 Schläge pro Loch vorgibt. Siehe auch den letzten Abschnitt „Anfängerstatus nutzen“.

Nun aber zum Kurs-Management für Anfänger: Machen Sie es sich so einfach wie möglich. Versuchen Sie keine Meisterschläge über den Bunker, sondern spielen Sie lieber dran vorbei. Machen Sie sich für jede Bahn einen Plan:

Bahn 1; Par 4; 350 Meter.

Als Anfänger werden Sie kein Par schaffen – setzen Sie sich also nicht unter Druck und spielen Ihr Spiel. Schlagen Sie dreimal Ihren Lieblingsschläger jeweils 120 Meter und Sie sind mit drei Schlägen locker auf dem Grün.

Eine weitere Strategie für Annäherungen: Auch, wenn ein Schlag mit dem Sandwedge durch eine schöne Höhe beeindruckt, sollten Sie lieber eine flache Annäherung mit dem Eisen 8 oder 7 bevorzugen. Die Fehlerquote ist geringer: Flach spielen – hoch gewinnen!

5. Umgang mit Flightpartnern

Sie werden natürlich nicht alleine spielen. Vermutlich mit Menschen, die Sie vorher noch nie gesehen haben. Keine Sorge, Sie müssen keine Freundschaften fürs Leben schließen. Doch mit etwas sozialem Geschick können Sie es in ein gutes Zusammensein verwandeln. Versuchen Sie locker aufzutreten, grummeln Sie nicht und schauen Ihren Mitspielern gerade ins Gesicht. Loben und bedauern Sie die Schläge Ihrer Mitstreiter, aber nicht zu heftig. Nichts ist schlimmer als eine Runde Golf über 5 Stunden zu spielen und keiner sagt ein Wort.

Denken Sie daran, auch wenn die Mitspieler ein besseres Handicap haben, sie sind sicher genauso nervös.

Sollten Sie einen Störenfried im Flight haben, ignorieren Sie ihn am besten. Es kommt immer wieder vor, dass jemand sauer über sich selbst wird und sogar den Schläger wirft oder in den Boden hackt. Das verstößt gegen die Etikette und sollte nicht beachtet werden. Im Ernstfall wird es der Sheriff mitbekommen und einen Tadel oder Platzverweis aussprechen.

Vor allem sollte es nicht Ihr eigenes Spiel beeinträchtigen. Ich selbst habe es ein paar Mal erlebt, dass ich durch so eine Begegnung mein Spiel versaut habe. Ich hatte so Gedanken wie: Wenn ich jetzt noch gut spiele, ist der andere sicher noch saurer.

6. Essen und Trinken auf der Runde

Es sollte so selbstverständlich sein, dass man bei 4 – 6 Stunden Sport essen und trinken muss. Doch leider wird dies immer wieder vergessen. Versuchen Sie so früh wie möglich eine gewisse Routine darin zu bekommen: An jedem Abschlag 2 – 3 Schlucke trinken. Nach 3 Bahnen eine Kleinigkeit essen (Banane, Nüsse, Datteln, getrockenete Feigen, Energie-Riegel). So sollten Sie vor dem großen Durst und Hunger-Ast geschützt sein.

7. Schlechte Schläge

Wie viele sehr gute Schläge machen Profis an einem Turniertag? Etwa einen!

Das sollte Ihnen vor Augen führen, dass Anspruchsdenken völlig fehl am Platz ist. Akzeptieren Sie Ihre schlechten Schläge; lachen Sie und schütteln Sie den Frust ab. Gott sei Dank müssen Sie mit Golf nicht wie die Profis ihr Geld verdienen.

Machen Sie es wie Tiger Woods – gehen Sie nach einem schlechten Schlag zehn Schritte. In dieser Zeit dürfen Sie sich ärgern. Danach geht das Spiel weiter.

8. Scorekarte und Zählen des Mitspielers

Im Gegensatz zu einer normalen Golfrunde wird bei einem Turnier das Ergebnis (Score) jeder Bahn auf der Scorekarte notiert. Dies macht man nicht für das eigene Ergebnis, sondern für einen Mitspieler. Zu Beginn einer Turnier-Runde tauscht man also erstmal die Karten aus. Wer einen zählt, steht auf der Karte unter „Zähler“.

Nach jeder Bahn notiert der Zähler den Score. Manchmal wird er nachfragen und es direkt absprechen, ob Zähler und Spieler die gleiche Anzahl erfasst haben. Hier kann es mal zu Unstimmigkeiten kommen. Sprechen Sie diese direkt an und versuchen einen Konsens zu finden. Im Ernstfall kann ein Zweifel auch nach der Runde durch die Spielleitung geklärt werden.

Meistens habe ich nur gute Erfahrung gesammelt. Ich versuche mich auf das eigene Spiel zu konzentrieren und notiere den Score so wie er mir vom Spieler genannt wird. Sollte mein Eindruck sein, dass diese Zahl nicht stimmt, spreche ich es an.

Übrigens: Den eigenen Score tragen Sie rechts in der Spalte ein. Dort ist auch eine Perforation, über die Sie Ihren Streifen mit Zahlen abreißen können – zur Erinnerung 😉

Am Ende der Runde gleichen Sie den Score ab. Der Zähler liest vor und der Gezählte gleicht es mit seinen Notizen ab. Unklarheiten werden korrigiert und abschließend durch jeweils eine Unterschrift besiegelt. Nun noch die Karten im Clubhaus abgeben – fertig. Und: Eine fehlende Unterschrift macht die Karte ungültig!

9. Anfängerstatus nutzen und locker bleiben!

Sie sind Anfänger und niemand wird Höchstleistungen von Ihnen erwarten. Da haben es andere Spieler schon schwerer. Genießen Sie diesen Status und spielen locker auf. Lieber die sicheren Schläger verwenden und gerade Schläge machen.

Mit einem Handicap von 54 haben Sie 3 Schläge pro Bahn „vor“. An einem Par 3 können Sie 6 Schläge machen und bekommen noch 2 Nettopunkte! Das nenn ich mal einen komfortablen Puffer 🙂

Setzen Sie sich also nicht unter Druck und versuchen um jeden Preis, ein Par zu erreichen. Meistens wird dann gar nichts draus und der Spielspaß bleibt auf der Strecke.

Achten Sie lieber auf das Spiel Ihrer Mitspieler. Was können Sie von den alten Hasen lernen? Wie gehen sie mit schlechten Schlägen um? Welche Taktik benutzen Sie? Seien Sie erstmal nur stiller Beobachter und versuchen zügig Ihr Spiel zu machen. Nichts ist schlimmer als einen Anfänger im Flight zu haben, der 5 Probeschwünge macht, 5 Minuten das Grün liest, um dann nur in den Boden zu hacken oder dann doch 4 Putts benötigt.

Fazit

Sie sehen, als Anfänger hat man es sogar einfacher und muss nichts schlimmes befürchten. Wie so oft ist Stress hausgemacht und selten notwendig. Ob es ein gutes Golfturnier wird oder nicht, wen kümmert’s?

Hauptsache Sie haben Spaß und sind an der frischen Luft in netter Gesellschaft. DAS ist es, was diesen wundervollen Sport ausmacht.