Im Gegensatz zum Zählspiel oder dem normalen Golfspiel nach Stableford, spielt man im Lochwettspiel gegen einen Gegner – den Flightpartner. Die Bezeichnung Partner darf dann gerne anders gedeutet werden 😉

Es werden 18 Löcher gespielt (oder auch 9, wenn dies erwünscht ist) und an jeder Bahn werden Punkte vergeben: Der Spieler, der weniger Schläge benötigt erhält einen Punkt. Der Andere null Punkte. Bei einem Unentschieden gibt es für jeden einen halben Punkt. Allerdings werden in der Praxis im Einzel-Lochwettspiel auf die halben Punkte verzichtet.

Damit dieser Wettkampf gerecht ausgetragen wird, kommt noch das Handicap jedes Spielers hinzu. Ein einfaches Rechenbeispiel: Handicap 0 gegen Handicap 18: Der Spieler mit HCP 18 hat an jeder Bahn einen Schlag vor. Das bedeutet, dass er immer einen „Puffer“-Schlag frei hat. An Bahn 1 spielt HCP-Spieler 0 eine 4 und er eine 5. Damit geht das Loch unentschieden aus. Im Umkehrschluss muss der HCP-0-Spieler 2 Schläge weniger machen, um die Bahn für sich zu gewinnen.

Wie läuft mein Lochwettspiel bisher?

Angefangen hat das Turnier Anfang Juni, da wurde uns der Turnierplan ausgehändigt. 32 Spieler mit HCP von 8,0 bis Platzreife!

Mein erster Gegner hatte Handicap 38. Wir spielten nur 9 Bahnen, damit hatte er an den 7 schwersten Bahnen einen Schlag vor.

Das Turnier verlief ganz harmonisch – es hatten sich noch zwei weitere Spieler dazugebucht, die aber nicht am Wettspiel teilnahmen. Wir starteten und ich konnte gleich das erste Loch für mich gewinnen, da mein Gegner ziemlich stark nach rechts tendierte 😉

Dann folgten ein paar Unentschieden und ein paar Bahnen, wo ich ziemlich schlecht spielte. An Bahn 5 lag ich schon mit 1 zurück. Glücklicherweise konnte ich dort wieder den Ausgleich holen. Nun kam die schwierigste Bahn – die 6. Ich schlug ab und landete gleich im Busch. Die nächsten Schläge waren auch sehr miserabel, so dass ich hier wieder einen Punkt verlor.

Nun also mit einem Schlag Rückstand auf die letzten 3 Bahnen. Diese 3 sind auch recht anspruchsvoll. Tendenz: Hier ist alles möglich. Glücklicherweise verliefen diese Bahnen alle recht stabil (nicht überragend), aber mein Gegner hatte seine Mühen: Ich glaube es waren 8 und 9 Schläge auf der 7 und 8. So ging ich mit einem Punkt in Führung und wir standen am Abschlag von der 9. Mein Holz 5 ging Mitte Fairway – 3 Drives von meinem Kontrahenten ins Aus. Damit hatte ich gewonnen und konnte ins Achtel-Finale einziehen 🙂

Achtel-Finale – wirklich ein Krimi

Im nächsten Duell stand mir Petra gegenüber mit Handicap 30. Wir kennen uns schon seit mehreren Jahren, doch gespielt hatten wir bisher wenig miteinander – schon gar nicht gegeneinander 😉

Wir wählten die 18-Loch-Variante. Damit hatte sie an 6 Bahnen einen Schlag vor. Es begann alles ganz gemütlich, ohne dass einer von uns einen großen Vorsprung etablieren konnte. Nach 9 Bahnen stand es unentschieden! Da waren wir beide überrascht – gerade Petra, weil sie an den schwierigen Bahnen sehr gut gespielt hatte!

Also weiter auf die zweiten 9 (wir spielten den 9-Loch-Platz zweimal). Nach drei Bahnen und ein paar Unachtsamkeiten von mir, lag ich mit 2 Punkten hinten! So schnell geht das. Dann kam unser Sheriff mit dazu und begleitete uns mit seinem Cart. Vermutlich war ihm langweilig. Dadurch angespornt spielte ich 3 Pars hintereinander und konnte wieder den Ausgleich erzielen.

Nun an die 7 – ein Dogleg links den Berg hinauf. Hier konnte ich noch einen Punkt holen.

Eigentlich – so war mein Gedanke – ist jetzt alles entschieden. Petra hat auf der 8 immer ihre Probleme, da hole ich mindestens ein Unentschieden und die 9 krieg ich sowieso gut hin.

Doch dann: Petra macht ein PAR und ich ein Bogey. Das war für sie ein Jubiläum – noch nie vorgekommen bisher!

Also nochmal konzentrieren an der 9 (bzw. 18); es ist ja unentschieden. Diese Bahn entscheidet. Dummerweise liegt mein Abschlag unter einem Baum und ich musste flach spielen. Den Schlag verzog ich. Petra lag mit dem zweiten etwa 2,5 Meter an der Fahne und ich? Im Bunker. Das sah mal ganz schlecht für mich aus.

Ich schlug immerhin den Ball aus dem Bunker raus, doch bis zur Fahne waren es noch gut  4 bis 5 Meter. Petra machte schonmal einen Putt – glücklicherweise nicht rein. Sonst wäre es vorbei gewesen. Und ich? Ich putte und tatsächlich geht er rein!

Schon wieder unentschieden!

Also ging es in Stechen. Wieder an die Bahn 1. Beide spielten wir unser bestes Golf: PAR. An Bahn 2 verkümmerte mein Abschlag und Petra schlug dicht ans Grün. Meine Annäherung war dann wiedermals zu kurz – ich lag noch weiter entfernt als Petra vom Loch. OMG, also alles auf eine Karte und ich sage: OK, dafür geht der Schlag jetzt ins Loch. Schlage und tatsächlich steuert er aufs Loch zu und geht rein! PAR. Petra spielte auch ihr sicheres PAR und weiter zur 3, der leichtesten Bahn.

Wir waren beide ziemlich aufgekratzt – Klaus, Ihr Mann, begleitete uns ab Bahn 1 bzw. 19 und war echt begeistert von diesem Krimi 🙂

Den Abschlag an der drei machten wir beide zu kurz. Wir lagen an der vorderen Grünkante bzw. Ende Fairway. Petra traf ihren Chip nicht richtig und der Ball ging zu weit. Ich traf gut – zu gut – er ging direkt rein. Birdie und Sieg.

Wir konnten es beide kaum glauben und ich bin immer noch der Meinung, wir hätten beide den Sieg verdient gehabt! Ich ziehe gedanklich immer noch den Hut vor dieser großartigen Leistung von Petra. Sie hätte im richtigen Turnier 42 Netto und 19 Brutto gespielt. Wirklich eine tolle Leistung. Ich bin mir sicher wir werden diesen Tag nie vergessen 😉